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Ego State    

In den bisher 25 Jahren meiner psychotherapeutischen Tätigkeit haben sich mehrere Psychotherapieansätze miteinander verbunden. Die Basis bildet der systemische Ansatz. Integriert werden Hypnotherapie, Ego-State-Therapie, Ressourcentherapie und EMI (Eye Movement Integration, eine Traumatherapiemethode).

Unter einer Systemischen Perspektive erscheinen Gesundheit und Krankheit immer als eine der Umgebung angepasste Lebensform, die es uns ermöglicht, in der Umwelt, in der wir gerade sind, zu überleben. Vieles von dem, was wir als unangenehme Symptome erleben, kann man als Selbsthilfestrategien der Psyche beschreiben. Manchmal erfordern krasse Umweltbedingungen auch eine krasse Selbsthilfeorganisation, und diese kann nie unabhängig vom sozialen Kontext, in dem sie entstanden ist, begriffen werden.

Als sehr hilfreich hat sich für mich erwiesen, sich die menschliche Psyche als eine Art innere Selbsthilfeorganisation vorzustellen, die aus unterschiedlichen Persönlichkeitsanteilen besteht. Es gibt mehrere Psychotherapieansätze, die mit der Idee „Wer bin ich und wenn ja wieviele?“ arbeiten. Das System der inneren Familie (IFS), die Ego-State-Therapie und die Ressourcentherapie sind einige davon.

Meine Idee ist, dass wir alle im Laufe unseres Lebens eine Art innerer Selbsthilfetruppe entwickelt haben, die uns das Überleben in der Umwelt, in die wir hineingeboren wurden, möglich machen will. Diese Persönlichkeitsanteile tragen dafür Sorge, dass wir unsere Grundbedürfnisse irgendwie erfüllen können. Dass das für uns alle nicht immer ganz einfach ist, liegt auf der Hand.

Die Mitglieder dieser inneren Selbsthilfetruppe haben immer gute Absichten, aber zeitweise eine etwas nervige Art, diese Absichten durchzusetzen. Manchmal ist es auch so, dass diese Überlebensstrategien in der Umgebung, in der sie entstanden sind, absolut sinnvoll waren und lange gut funktioniert haben. Aber unter anderen Umständen weniger hilfreich werden oder sogar mehr desselben Leids produzieren, das sie versuchen zu verhindern.

Alle diese Persönlichkeitsanteile sind immer auch wichtige Ressourcen. Im Laufe ihrer Entwicklung haben sie viele Fähigkeiten erworben, die sich in Zukunft vielleicht besser als bisher nutzen lassen.

Direkt mit diesen Persönlichkeitsanteilen zu reden, anstatt nur über sie, macht das therapeutische Arbeiten sehr effektiv. Hypnotherapeutische Techniken sind dabei einer von mehreren Wegen, die diesen Zugang erleichtern.

Das Ziel in der Arbeit mit der inneren Selbsthilfetruppe ist, ihre Mitglieder vom „MÜSSEN“ zum „KÖNNEN“ zu bringen. Was ich damit meine, ist im folgenden vereinfachten Beispiel beschrieben:

Jemand hat mehrmals die schmerzhafte Erfahrung gemacht, ausgegrenzt worden zu sein. Ein Teil, der das Gefühl trägt: „Ich bin eben nicht gut genug, um dazuzugehören!“ entsteht. Nennen wir diesen Teil „nicht-gut-genug“.

Zugehörigkeit (besonders für Kinder) ist jedoch überlebensnotwendig. Was tun?

Eine Möglichkeit ergibt sich durch genaues Beobachten der gestellten Erwartungen oder durch besonderes Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse anderer. Die rettende Idee taucht auf:  „Wenn ich immer alles allen recht mache, dann…“. Mit viel Training - und weil es auch immer wieder gut funktioniert - entwickelt sich im Laufe der Zeit ein Teil, den man „People-Pleaser“ nennen könnte. Der übernimmt die Schutzfunktion für „nicht-gut-genug“, sorgt für Zugehörigkeit und tritt auf, wann immer es um Kontakt mit anderen geht. Mit viel Druck im Hintergrund durch den "nicht-gut-genug" Teil MUSS "People-Pleaser" sich so verhalten, auch wenn er sich teilweise damit selbst schadet. Es tut eben nicht gut sich immer nach dem zu richten, was andere wollen könnten, weil man sich dabei öfters mal ziemlich verbiegen muss.

Der Teil, um den man sich dann vorerst kümmern muss, ist der „nicht-gut-genug“. Wenn das gelöst ist, dann KANN der ursprüngliche „People-Pleaser“ seine Fähigkeiten, die er ja mühsam erworben hat, auf andere Weise gut nutzen. So wird er eventuell zu einem „Diplomaten“, der entscheidet, dass er KANN, wenn er WILL, aber nicht mehr dauernd MUSS.